Ausgrabungen in Andernach – Antunnacum – neue, sensationelle Funde

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Sensationelle Funde, die Archäologen sind begeistert.

In gerade mal zwei Metern Tiefe fanden die Archäologen die Überreste einer römischen Siedlung.

Fundamente von Häusern, Werkstätten von Handwerkern und eine Thermenanlage. Zwischen dem ersten und vierten Jahrhundert herrschte hier offenbar ein geschäftiges Dorfleben. Und das an einer Stelle, wo man es nie vermutet hätte.

Die Archäologen sind begeistert, denn Menge und Zustand der Funde haben alle Erwartungen übertroffen. Sie fanden zum Beispiel Gewandspangen und Möbelbeschläge, von denen in Deutschland bislang nur geringe Mengen gefunden wurden.

Die schönsten und wertvollsten Stücke sollen künftig in einer Sonderausstellung im Andernacher Stadtmuseum präsentiert werden.

Reste einer Kapelle aus dem 9. Jahrhundert, die auf römischen Siedlungen gebaut wurde, haben die Archäologen entdeckt. Das ist der spektakulärste Fund, seit die Spezialisten direkt an der Hochstraße vorsichtig Schicht für Schicht abtragen.

Der in Angriff genommenen Bereich eröffnet ihnen einen tiefen Blick in die Geschichte:

Die Funde zeugen von einer durchgehenden Besiedelung des Areals und die ganze Komplexität von 2000 Jahren Geschichte lagert hier übereinander.

Im Stadtgebiet des heutigen Andernach befand sich vom 1.bis 4.Jh.n.Chr. eine ausgedehnte, römische, stadtähnliche Siedlung (vicus).

Ein Teil der Siedlung wurde im 4. Jahrhundert mit einer Mauer gegen Angriffe durch Germanen abgesichert.

Die außerhalb der Mauer liegenden Gebäude legt man systematisch nieder, um ein freies Schussfeld von der Mauer zu haben und den Angreifern keine Versteckmöglichkeiten zu geben.

Seit November 2015 wurden von der Direktion Landesarchäologie in Kooperation mir der Stadt Andernach acht Häuser ausgegraben.

Diese befinden sich genau in dem um 280 n.Chr. systematisch geräumten und abgerissenen Teil des römischen Andernach. Die Fläche wurde bis jetzt nicht wieder bebaut, sondern als Garten genutzt.

Die hier ausgegrabenen Häuser sind typisch für römische vici. Es handelt sich um langrechteckige, mit einer Schmalseite zur Seite hin orientierte Häuser. Die Räume direkt an der Straße wurden als Verkaufsräume genutzt. Ein Laubengang über dem Gehweg schützte vor Regen und Sonne. Im mittleren und hinteren Teil der Gebäude befanden sich die Wohnräume. Die Fläche hinter dem Gebäude wurde als Garten oder zu Gewerbezwecken genutzt.

Die zahlreichen, auf den ersten Blick verwirrenden Mauerstrukturen zeigen, dass die Häuser, aber auch gesamte Viertel, oft umgebaut wurden.

Außerdem befinden sich in der Fläche ein Weg sowie ein kleines Badegebäude mit Badebecken und beheizten Räumen.

In Zukunft wird dieser Teil des römischen Andernach zwar nicht sichtbar sein, er ist jedoch konserviert und erhalten und steht für zukünftige Grabungen zur Verfügung.

Römischer Stadtkern mit ausgeprägten Funden freigelegt.

Bei den vorbereitenden Arbeiten des Baues eines neuen Pfarrheimes, vor 2 Jahren neben der Kirche Maria Himmelfahrt, wurden zunächst eine ganze Reihe menschlicher Knochen gefunden. Denn etwa vom achten Jahrhundert nach Christus bis in das 18. Jahrhundert hinein diente der Ort als Bestattungsplatz.

Je tiefer die Archäologen gruben, desto mehr römische Funde kamen zu Tage. „Wir stießen auf massiv gemauertes Material“, erklärt der Leiters der Landesarchäologie in Koblenz, Dr. Dr. Axel von Berg. Freigelegt wurde ein kleines, quadratisches Badebecken, das mit wasserundurchlässigem Mörtel verputzt ist und ein kleines Loch besitzt. In diesem Ausfluss entdeckten die Archäologen sogar noch ein kleines Bleirohr.

Nach Einschätzung des Konservators handelt es sich um ein früheres Kaltwasserbecken. Es sei Teil einer größeren, vormals öffentlichen Badeanlage, die wohl bis unter die Kirche reiche. Der Ort sei dafür prädestiniert: Andernach (römisch: Antumnacum) sei wegen der Nähe zum Rhein schon damals ein wichtiger Umschlagplatz für Basaltprodukte aus der Region um Mayen gewesen. Das Grabungsgelände liegt den Angaben zufolge in einem früheren, spätrömischen Kastell nahe des römischen Hafens. Hier schnitten sich wichtige antike Straßen. Das Wasserbecken stammt laut von Berg aus dem vierten Jahrhundert nach Christus.

Auch für den außergewöhnlich guten Zustand hat von Berg eine Erklärung: „Das Becken wurde höchstwahrscheinlich später als Taufbecken weiter genutzt“. Dafür spreche auch die Nähe zur Kirche. Vor dem Kaltwasserbecken legten die Archäologen noch ein weiteres Bauwerk frei, bei dem es sich laut von Berg um Teile eines alten Warmwasserbeckens handelt – und zwar mit einer Art Heizung. „Die Römer haben den Fußboden auf kleine Säulen gestellt“, erklärt von Berg. Darunter habe jemand mit Holz oder Kohle gefeuert.

In die Unterkellerung des Pfarrhauses wurde die Ausgrabung baulich und räumlich integriert.

Nach dem Abriss der Weissheimer Mälzerei in Andernach hat die Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie Koblenz, mit einer Ausgrabung auf dem etwa 2500 m² großen Areal begonnen.

Bereits in den 60er Jahren wurden an dieser Stelle römische Befunde aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. beobachtet. Eine komplette Freilegung war zum damaligen Zeitpunkt jedoch nicht möglich.

Das Gelände bildet den Innenbereich des ehemaligen römischen Stadtkerns, u.a. konnte die antike Stadtmauer auf 60 Metern freigelegt werden. Diese ist fast vollständig erhalten und war bisher an dieser Stelle unbekannt.

Auch die Fundlage der Ausgrabung ist sehr ausgeprägt: neben herausragenden Keramik- und Knochenfunden konnten zahlreiche Münzen und ein Goldring geborgen werden.

Wir haben hier einen hervorragenden archäologischen Befund, sagt der Grabungsleiter vor Ort, Herr Frank Brüninghaus, täglich werden neue Funde, überwiegend aus dem ersten bis ca. fünften Jahrhundert entdeckt. Die Bedeutung Andernachs wird nach diesen Funden neu bewertet werden müssen, denn durch die offengelegten Funde können die noch unbekannten ersten 1000 Jahre der Stadt erschlossen werden.

Die Archäologen konnten bisher neben dem römischen Hafenbecken auch den Verlauf einer Straße und eine römisch-antike Wohnbebauung nachweisen.

Im derzeitigen Grabungsareal liegen sehr gut erhaltene Teile von Gebäuden des 1.-2. Jh. n. Chr. Dabei handelt es sich um 2 größere Komplexe beiderseits einer kiesgestickten antiken Wegeführung. Durch die vorzügliche Erhaltung vor Ort sind noch die Eingangsbereiche der Häuser mit Bodenplatten, Trittstufen und Türangelsteinen der ehemaligen Torflügel zu erkennen. Die bisher freigelegten Funde deuten an dieser Stelle auf Handwerksbetriebe hin, wie die Entdeckung eines Töpferofens mit Bedienungsgrube im Gebäude östlich des Kiesweges belegt.

Nach mehreren Umbauten aufgrund von Nutzungsänderungen verfielen diese Gebäude und wurden im dritten Jahrhundert schließlich ganz abgebrochen um Platz für eine große Thermenanlage zu schaffen. Diese Badeanlage zieht sich entlang der östlichen Grabungsgrenze über eine Länge von 35 m hin. In dem bisher freigelegten Teil befinden sich mindestens fünf einzelne Räume. Ein Teil der Räume war sogar mit Hypocaust (Boden-Wandheizung) versehen. In dem großen, halbkreisförmigen (apsiden) Gebäudeteil befand sich ein Kaltwasserbecken mit Einstiegstreppen und gemauerter Sitzbank. Auch diese Badeanlage war vielfachen Um- und Ausbauten unterworfen wie viele Einzelbefunde am erhaltenen Baukörper zeigen.

Ab der Mitte des 4. Jh. n. Chr. erfolgte ein weiterer großer Umbau innerhalb der alten Thermenanlage. Das Bad wurde in großen Teilen niedergelegt und auf den einplanierten Resten ein großer militärisch genutzter Getreidespeicher (Horreum) errichtet. Die Reste dieses Horreums sind in Form von elf massiven rechteckigen Pfeilerfundamenten heute noch erhalten. Eine der letzten großen Baumaßnahmen in römischer Zeit war die Umwehrung der Stadt mit einer massiven Mauer aus Bruchsteinen und Tuffquadern zu Beginn des 4. Jh. n. Chr.

Paralell zu einer bereits bestehenden, viel kleineren Mauer mit abgeschrägtem Fundamentsockel, die möglicherweise zur Begrenzung des antiken Hafenbeckens in früherer Zeit errichtet wurde, verläuft die heute noch etwa 2 m mächtige, massive Stadtmauer. Da die Mauerführung schon im damals aufgefüllten, feuchten Hafenbereich lag, wurden großformatige Tuffblöcke zur Sicherung der Fundamente im feuchten instabilen Untergrund eingelassen. Diese Stadtmauer verläuft von West nach Ost über das gesamte Gelände der ehemaligen Malzfabrik in teils vorzüglicher Erhaltung.

Einzelne Befunde in der Nordostecke der Grabung deuten auf eine intensive Nachnutzung der römischen Ruinen in frühmittelalterlicher Zeit hin. Unmittelbar auf dem grob planierten Schutt der Thermenanlage wurde im frühen sechsten Jahrhundert ein wenig qualitätvoller Estrich eingebaut, dem später mehrere Lauf- und Nutzungshorizonte folgten.

Desweiteren wurden Reste einer Römischen Hafenanlage entdeckt, jedoch fehle das Geld und die Zeit, lt. Deutschem Architektur Forum, dies genauer zu untersuchen.

Auf eine große Bedeutung von Andernach in römischer Zeit weisen neue umfangreiche Grabungsergebnisse hin. Die Stadt diente nicht nur als Verladeort für Tuffstein und Mühlsteine aus Basalt, sondern auch als Hafenstützpunkt. Für die logistische Versorgung der Truppen am Limes und in den Kastellen im rechtsrheinischen Raum und wahrscheinlich auch der Rheinflotte besaß der Umschlagsplatz eine wichtige Funktion, um Güter der Region zu verteilen.

Mit der nun nachgewiesenen über 2000-jährigen Tradition gewinnt der Hafen am Mittelrhein eine besondere Gewichtung als bedeutender Wirtschaftsstandort im nördlichen Rheinland-Pfalz.

Auf einer Fläche von 4.000 Quadratmetern auf dem Gelände der früheren Malzfabrik sind vorzüglich erhaltene römische Gebäudereste der ehemaligen Hafenbebauung gefunden worden. Rheinseitige Stadtmauern aus frührömischer und spätantiker Zeit, die unmittelbar vor dem antiken Hafenbecken errichtet wurden, konnten auf einer Länge von 60 Metern durch die Koblenzer Archäologen freigelegt werden.

Funde aus Baggerschnitten im eigentlichen Becken belegen an dieser Stelle die Nutzung eines Rheinarmes als Hafen schon seit dem frühen 1. Jh. n. Chr.

Herr von Berg bemerkt weiter: „Die neu gewonnenen Erkenntnisse vor Ort lassen auf eine große Bedeutung der Stadt Andernach in der logistischen Versorgung der Limestruppen und wahrscheinlich auch der Rheinflotte schließen.“