05. Jul 2013: Bäckerjungenfest
am Rheintor und im Schloßgarten. - seit 2008 in neuer Inszenierung.Die Andernacher Bäckerjungen.
Die Andernacher ehren zwei Bäckerjungen im Andernacher Stadtwappen, als steinerne Figuren im Rheintor und jedes Jahr im Juli als "Ehrengäste" des traditionellen Bäckerjungenfestes.
Die Geschichte ereignete sich zu der Zeit, als der Erzbischof von Köln das Recht zur Erhebung des Rheinzolls, die wichtigste Einnahmequelle der Städte am Rhein, gerade von Linz nach Andernach zurückverlegt hatte. Über diesen Zollverlust waren die Linzer verständlicherweise sehr verärgert und sannen daher auf Rache an den Andernachern.
Diese hatten schon damals den Spitznamen „Siebenschläfer“, da sie gerne ausgiebig feierten und anschließend bis in den späten Vormittag hinein schliefen – was sie im Übrigen heute noch gerne tun. Das wussten auch die erzürnten Linzer. Schon bald schmiedeten die Linzer folgenden Plan: „Wenn die Andernacher feiern, kommen sie am nächsten Tag doch nicht aus den Federn. An einem solchen Tag sollten wir sie in den frühen Morgenstunden überfallen und die Stadt einnehmen!“
Und so fuhren sie eines Abends, als die Andernacher wieder eines ihrer berühmten Feste feierten, heimlich und unbemerkt mit ihren Booten rheinaufwärts, bewaffnet mit Feuer und Schwert. Mitten in der Nacht legten sie im Schutz der Dunkelheit am Ufer an, um beim ersten Morgenlicht die Stadt zu stürmen. Wie zu erwarten gewesen, waren die Andernacher nach ihrer Feier in einen langen und tiefen Schlaf gesunken.
Nur die beiden Bäckerjungen Fränzje und Döres, die den Andernachern schon so manchen Streich gespielt hatten, waren bereits auf den Beinen, um Brötchen auszutragen. Als sie ihre Arbeit verrichtet hatten, meinte Döres: „Du, Fränzje, was können wir jetzt noch anstellen?“ „Lass uns doch einfach mal auf den Wehrgang der Stadtmauer am Rheintor klettern, da fällt uns schon was ein.“
Und tatsächlich: Sie entdeckten eine ganze Batterie von Bienenkörben, die der Wächter am Rheintor aufgestellt hatte. „Honigbrötchen!“, rief Döres, der noch nicht gefrühstückt hatte, laut und erfreut aus. Das kommt ja wie gerufen.“ Kaum gesagt, kletterte Fränzje bereits die Stadtmauer hinauf, um nach den Körben zu schauen. Döres aber hatte sofort auch wieder einen Streich im Kopf. „Und hinterher kleben wir ihnen die Fluglöcher zu. Dann wundert sich der Wächter, warum die Bienen heute nicht fliegen.“ Fränzje, der natürlich auch sofort Gefallen an diesem Gedanken gefunden hatte, kletterte wieder von der Stadtmauer runter, um den Lehm dafür zu beschaffen. Ihm kam gleich noch ein weiterer Streich in den Sinn: „Und dem Wächter binden wir noch die Tür am Rheintor zu.“
Gerade waren sie mit ihren Spitzbübereien fertig, als Döres plötzlich aufgeregt fragte: „Fränzje, was sind das für seltsame Geräusche? Und hörst du auch die Stimmen?“ „Ja“, antwortete sein Freund, „was ist da nur auf einmal los?“ Die beiden Bäckerjungen lauschten angestrengt weiter und versuchten, in dem sich langsam lichtenden Morgennebel, der vom Rhein in Richtung Stadt zog, etwas zu erkennen. Und als die Geräusche näher kamen, sahen sie mit Entsetzen hunderte Männer, die mit Schwertern, langen Stangen, Hellebarden und Rammböcken gegen die Stadtbefestigung vorrückten. Und sie hörten Schritte von festen Stiefeln und Kommandofetzen wie „Rammbock nach vorne!“, „Zieht die Schwerter!“, oder „Fertig machen zum Angriff!“ Und als die erste Doppelreihe Männer mit einem schweren Balken, der eine starke Eisenspitze hatte, gegen das Stadttor vorrückte, war ganz eindeutig, dass es sich um Angreifer handelte.
„Andernach wird überfallen!“, rief Fränzje außer sich. „Lauf schnell in die Stadt und schlag Alarm!“ Doch Döres entgegnete: „Dafür ist es zu spät. Bis dahin haben sie das Tor schon eingerammt. Schau dir das an …“ In der Tat standen die Männer mit dem Rammbock bereits vor dem großen Stadttor. „Wenn wir doch nur etwas tun könnten …“, grübelte Fränzje.
„Da, schnell, die Bienenkörbe“, schrie Döres. Und schon schleuderten sie die ersten Bienenkörbe auf die vorderen Kämpfer. Und zwar so heftig, dass die Angreifer an der Spitze nach hinten fielen und auch die nachfolgenden Männer mit zu Boden rissen. So bohrte sich die Eisenspitze des Rammbocks statt ins Andernacher Rheintor dumpf in die Erde.
„Das hat gesessen“, freute sich Döres, und schon flogen die nächsten Bienenkörbe. Durch den Aufprall am Boden platzten einige Körbe auf, sodass Tausende von Bienen ausschwärmten. Und die ansonsten friedlichen, nun aber in ihrer Nachtruhe gestörten Tierchen stürzten sich aufgebracht und wild um sich stechend auf die Linzer. Die hatten sich zwar gerade von dem ersten Schrecken erholt und wollten erneut zum Angriff auf das Rheintor ansetzen, doch viele der Männer waren von den Bienen schon so arg und fürchterlich gestochen worden, dass ihre Kampfeslust dahinschwand. Selbst Helme und Rüstungen schützten sie nicht, denn die Bienen drangen durch alle Ritzen und Spalten ein und stachen zu. Da war es selbst den tapfersten Kämpfern zu viel. Die meisten warfen ihre Waffen weg, um zumindest ihr Gesicht vor den immer angriffslustiger werdenden Bienenschwärmen zu schützen.
Völlig außer sich flohen die Linzer schließlich zum Rheinufer, um Schutz in ihren Booten zu suchen oder sich einfach ins kalte Wasser zu stürzen, nur um den Qualen zu entrinnen. Als die beiden Bäckerjungen das sahen, nutzten sie die Zeit, sprangen von der Stadtmauer und spurteten die Rheinstraße hoch, um oben am Rathaus die Sturmglocke zu läuten. Die war so laut, dass selbst der verschlafenste „Siebenschläfer“ hochschreckte.
Die Andernacher rannten mit Geschrei aus ihren Häusern und besetzten mit ihren Waffen alle Tore und Mauern, so wie es der Rat für einen solchen Fall angeordnet hatte. Doch dieser Einsatz war überflüssig, denn die Linzer hatten bereits kapituliert und flüchteten vor den Bienen in ihren Booten rheinabwärts. Und auch später kamen sie nie mehr auf den Plan, die Andernacher anzugreifen, und überließen diesen fortan das Recht des Rheinzolls.
Zum Dank haben die Bürger der Stadt, die seit dieser Zeit auch „Bäckerjungenstadt“ genannt wird, ihren beiden „Schutzengeln“ ein Denkmal setzen lassen, und zwar genau in dem prächtigen Stadttor am Rhein, von wo aus sie die Feinde in die Flucht geschlagen haben.
Die Bäckertaufe
Neben dem Bäckerjungenspiel bietet das Bäckerjungenfest eine weitere Attraktion "Die Bäckertaufe wegen zu kleinen Brotes" in Worte gefasst und in Szenen gesetzt durch Dr. Helmut Weinand nach einer Idee von Reinhard Schneider.
In früheren Zeiten ermittelte in den Städten eine Komission, meist aus zwei Bäckern und zwei Bürgern bestehend, die Ergiebigkeit des Getreides der neuen Ernte und verordnete dann das angemessene Brotgewicht.
Von der Stadt besoldete Brotwäger und die Brotbeschauer der Zunft wachten strengstens über die Einhaltung der Vorschriften. In Basel (1256) hatte der Brotmeister z.B. dreimal in der Woche die Brotqualität zu prüfen. Bei entsprechenden Verstößen musste der Bäcker mit Strafe rechnen und zwar spürbar hohen Strafen, verhängt durch die Bäckerzunft. Meistens waren es Geldstrafen.
Was aber im Mittelalter noch schwerer wog, war die entehrende Strafe, an den Pranger gestellt zu werden. Noch diskriminierender und für den "Sünder" unangenehmer war die vor großem Publikum vollzogene "Bäckertaufe". Der Delinquent saß in einem Korb und wurde samt diesem über eine Menge stinkenden Unrats und eine große Jauchepfütze gehängt und hier durfte er je nach Strafmaß eine kurze oder längere Zeit sitzen. Anschließend erfolgte dann die eigentliche "Bäckertaufe", wobei der Verurteilte im Korb sitzend unter Wasser getaucht wurde.
Nicht jeder. dem dies geschah, nahm es gelassen. So wird von einem Bäcker aus Zürich berichtet, dem 1280 die "Bäckertaufe" angetan wurde, dass er sich für die Schande und Entehrung rächte, indem er sein Haus anzündete und mit dem Haus so nebenbei die halbe Stadt abbrannte.
Das Lied der BäckerjungenMusik und Text: Harald Ax Morgens in der Frühe, es war noch ziemlich kalt,
da machten wir beim Rundgang, am Wachtor vorne halt.
Der Wächter tat feste schlafen, vom Rhein her kam Gefahr,
es waren fremde Krieger, sie waren schon sehr nah. Refrain: Wir sind die Bäckerjungen, aus Andernach am Rhein
und kommen her zum Singen, drum laßt uns fröhlich sein.
Wir sind die Bäckerjungen, aus Andernach am Rhein,
ein Lied woll´n wir Euch bringen, hört her und stimmt mit ein!
Die Feinde kamen hurtig, mit einem Stamm herbei,
das Tor wollten sie brechen, doch oben war´n wir zwei.
Wir ließen sie gewähren, bis alle standen da,
und dann kam unser Angriff, hört selbst, was dann geschah.
Refrain: Wir sind die Bäckerjungen, aus Andernach am Rhein... Wir hatten viele Freunde, die halfen beim Gefecht,
den Männern, den dort unten, den ging es ziemlich schlecht.
Denn diese Bienenkörbe, die flogen auf sie drauf,
und vor den Stichen, flohen sie weg, in schnellem Lauf. Refrain: Wir sind die Bäckerjungen, aus Andernach am Rhein..